Sich zu beschweren beschwert einen

Haben Sie Ihrem Ärger auch schon mal so richtig Luft gemacht? Sprechen Sie sich bei Ihren Freunden gerne den Frust von der Seele über den unfähigen Chef, den Job, die Steuersünder? Und, hat es genützt? Hat es zu irgendeiner positiven Veränderung bei Ihnen geführt? Meine Erfahrung ist, die Welt ist danach kein besserer Ort und ich fühle mich auch nicht wirklich erleichtert.
Manchmal erzählen mir Klienten im Coaching ausführlich über ihre Baustellen, weil sie denken, ich müsste das Problem genau verstehen. Dann legen Sie en detail die ärgerlichen Punkte dar und bringen sich damit in einen schlechten Zustand. Ich stoppe sie dann gerne schnell, da dieses Schwelgen in so einem vergifteten emotionalen Zustand eben nicht frei macht sondern eher noch die Stimmung verschärft. Um sich so richtig schön beschweren zu können, muss ich die Bilder von der unangenehmen Situation wieder hochkommen lassen und sie mit Gefühlen ausfüllen. Dadurch erlebe ich die Situation dann noch mal und physiologisch wird eine Erregung im Organismus erzeugt: die Folge sind Muskelverspannung, erhöhter Pulsschlag und eine Ausschüttung von Stresshormonen. Warum sollte ich mir das freiwillig antun? Es ist keine sinnvolle emotionaler Psychohygiene, sich den ganzen Ärger noch einmal zu vergegenwärtigen und sich womöglich in Rage zu reden.

Beschweren als Psychohygiene?

Als ich als Psychologin in einer psychosomatischen Fachklinik gearbeitet habe, gab es Fahrgemeinschaften unter den Therapeuten. So fuhr ich täglich mit ein bis drei Kollegen nach der beanspruchenden Arbeit gemeinsam eine Stunde zurück nach Hause. Was in dieser Zeit manchmal passierte war, dass wir uns über die Arbeit, die Kollegen oder die Klinikleitung beschwerten. Die Stimmung wurde dadurch immer aufgeheizter und es war mir nicht möglich, in dem Moment zu entspannen und mit meinem Arbeitstag abzuschließen. Im Gegenteil, die ganze Dynamik schaukelte sich nur noch auf und am Ende der Autofahrt fühlte ich mich darin bestätigt, dass ich den schrecklichsten Job der Welt hatte und dass die Klinikleitung tatsächlich völlig unfähig war. Dieses Spiel wiederholte sich häufig und wer die dramatischsten Geschichten zu bieten hatte, konnte sich der vollen Aufmerksamkeit der Kollegen sicher sein. Gemeinsam in das selbe Horn zu blasen hat auch etwas sehr verbindendes.

Fazit: Tun Sie sich selbst einen Gefallen und lassen Sie das Beschweren über andere oder sich selbst, es führt nur dazu, dass Sie es sich selber schwer machen. Steigen Sie einfach nicht ein auf diesen Gedankenzug, der Sie an einen unwohligen Ort führt, an dem Sie sich getrennt fühlt von allen anderen.
Stellen Sie sich vor, Sie sind mit einem guten Freund in einem Restaurant verabredet. Während Sie den Abend miteinander verbringen, beschwert sich Ihr Freund in einem fort über den Service, das Essen, die Innenausstattung, seine Arbeitssituation, seine Partnerin. Dann kommt zufällig ein anderer Freund von Ihnen dazu und leistet Ihnen Gesellschaft. Sie hören keine Beschwerde aus seinem Mund. Vielleicht benennt er sogar ein paar positive Punkte, das leckere Essen, das Wiedersehen, der schöne Austausch miteinander. Mit wem von den beiden verbringen Sie lieber Ihre Zeit? Sind positiv eingestellte Menschen nicht wahnsinnig attraktiv? Seien Sie auch einer und gehen Sie mit gutem Beispiel voran, legen Sie Ihren Fokus auf die schönen Seiten des Lebens.

Das Beschwerdebändchen

Sich beschweren kann wie eine Gewohnheit sein, um damit zu brechen, hilft ein netter Trick, ein Beschwerdeband. Besorgen Sie sich ein Bändchen oder einen Armreif für Ihr Handgelenk. Immer, wenn Sie sich über sich selber oder andere beschweren, wechseln Sie das Bändchen von dem einen Handgelenk zum anderen. Das Ziel ist es, das Bändchen einen Tag lang an einem Handgelenk zu behalten. Wenn Sie das erfolgreich gemeistert haben, dehnen Sie das Zeitintervall aus, versuchen Sie, das Bändchen eine Woche an einem Handgelenk zu behalten. Viel Spaß damit und beschweren Sie sich nicht, wenn Sie in den ersten Tagen das Bändchen häufig wechseln müssen, es darf Spaß machen.

Nehmen Sie es leicht, Ihre Tanja Madsen

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