Lebensbalance – Wie Sie zu mehr innerer Ruhe kommen

Wir fühlen das, was wir denken.

Schon der stoische Philosoph Epiktet beschäftigte sich vor knapp 2000 Jahren mit der Frage, wie ein geglücktes Leben gelingen könne. Sein Ausspruch „Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen“* wird häufig zitiert, ebenso wie der Ausdruck, eine stoische Ruhe zu behalten. Damit ist eine bestimmte körperlich-seelische Verfassung des Menschen gemeint, in der man in jeder Lebenslage, was immer auch geschehen mag, stets eine gleichmütige Gelassenheit, Besonnenheit oder auch eine unerschütterliche Ruhe bewahrt.

Für die Stoiker ist Lebensglück oder Glückseligkeit das höchste Ziel oder größte Gut, das die Menschen anstreben können. Wie kann das gelingen? Welche Empfehlungen hält die Philosophie für uns bereit? Epiktet sagt weiter „Wenn wir nun auf Hindernisse stoßen oder beunruhigt oder bekümmert sind, so wollen wir niemals einen anderen anklagen, sondern uns selbst, das heißt: unsere eigenen Meinungen“.

Das ABC der Gefühle

Die Ideen, die Epiktet beschreibt, hat die moderne Psychologie in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts im Zuge der kognitiven Wende wieder aufgegriffen. Deren Vertreter haben ebenfalls erkannt, dass es einen Zusammenhang zwischen Denken, Fühlen und Handeln gibt, dergestalt, dass wir so fühlen und handeln, wie wir denken. Der amerikanische Psychologie Albert Ellis hat diesen Zusammenhang das ABC der Gefühle genannt. Die drei Buchstaben haben folgende Bedeutung.

A = Activating event, sprich ein Ereignis, das die Gedanken aktiviert, anregt.

B = belief, sprich unsere Gedanken und Überzeugungen dazu.

C = consequences, sprich die Reaktionen oder Folgen auf unsere Gedanken und Gefühle.

ABC-Denken bedeutet konkret zum Beispiel:

Ereignis: Mein Nachbar grüßt mich nur flüchtig im Hausflur

Gedanke: Er mag mich wohl nicht

Reaktion: Ich bin traurig

Wenn wir dieser Gedankenkette folgen, wird klar, dass nicht der Nachbar Auslöser für mein Unwohlsein ist, sondern meine Gedanken und Bewertungen über ihn und sein Verhalten. Die meisten Menschen folgen jedoch nur einem verkürzten AC-Denken, klammern also  die bewertenden Gedanken aus und kommen so zu dem Kurzschluss, dass äußere Ereignisse ihre Gefühle und ihr Verhalten auslösen: Es passiert ein Ereignis in der Außenwelt, den bewertenden Gedanken ignoriere oder überspringe ich und nehme direkt ein Gefühl wahr, z.B. Wut oder Freude. Daraus schließe ich, dass die Welt da draußen mir meine Gefühle macht und nicht ich selbst. Logische Konsequenz, ich muss die Welt im Außen ändern, damit es mir besser geht. Die Welt bzw. die Menschen zu verändern ist jedoch häufig schwierig bis unmöglich, oder haben Sie es schon einmal geschafft, dass sich ihre Mutter oder ihr Partner endlich genauso verhält, wie sie es  immer gewollt und eingefordert haben? Meistens weigern sich unsere Zeitgenossen hartnäckig, sich nach unseren Wünschen zu verhalten.

Die Außenwelt kann nichts dafür, wie jemand denkt, fühlt und handelt. Sie lässt jedem die Wahl. Schwimmen Sie gegen den Mainstream-Strom des AC-Denkens und machen Sie sich ihre Gedanken und Überzeugungen bewusst. Wenn Sie sich ihrer Gedanken und Bewertungen bewusst sind, können Sie konkret und aktiv auf ihr Leben einwirken. Sie können dann ihre Gedanken untersuchen, überprüfen, entdramatisieren, entlarven und dabei innerlich mehr und mehr zur Ruhe kommen. Um mit den Worten Epiktets zu schließen, „Bemühe dich, jeder unangenehmen Vorstellung sofort zu begegnen mit den Worten: Du bist nur eine Vorstellung und durchaus nicht das, als was du erscheinst“.

*Alle Aussprüche von Epiktet stammen aus „Das Buch vom geglückten Leben“, Verlag C.H. Beck

Hier noch weitere Anregungen zum Thema:

Das Gefängnis in uns

Die Krise existiert nur in unserem Kopf!

Ich freue mich über Anregungen und Austausch mit Ihnen! Ich wünsche Ihnen Balance und geglückte Lebensführung, Ihre  Tanja Madsen (Diplompsychologin, Coach und Mediatorin).

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Ein guter Gastgeber sein

Täglich besuchen uns viele Gedanken, manche sind freundlich und erfreuen uns, andere sind vielleicht düster oder traurig und sind uns unliebsam. Was nützt es jedoch, über unerfreuliche Gedanken zu schimpfen und sie los werden zu wollen? Je mehr man einen nervigen oder belastenden Gedanken nicht haben will, desto penetranter bleibt er meistens bestehen. Wir können unsere Gedanken nicht aus dem Kopf schmeißen, noch können wir sie einfach abstellen. Vielleicht sollten wir sie einfach mit Gelassenheit und Humor nehmen, wohlwissend, dass sie kommen und gehen, ohne dass wir dies beeinflussen könnten. Seien Sie ein guter und liebevoller Gastgeber, das ist das Beste, was Sie für Ihre Gedanken tun können. Der persische Mystiker Rumi beschreibt dieses Bild in wunderschönen Worten:

Das Gasthaus

Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.
Begrüsse und bewirte sie alle!

Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist,
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt,
selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll.
Vielleicht reinigt er Dich ja
für neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu Dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung
geschickt worden aus einer anderen Welt.

Maulana Dschelaleddin Rumi (persischer Dichter)

Ihre Tanja Madsen vom Coaching Berlin Blog Team.

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Wie man geht, so geht es einem

„Nichts ist befreiender als Bewegung.“ Martha Graham, Tänzerin

Unsere Psyche und unser Körper sind über neurologische Schaltkreise eng miteinander verbunden. Unser Denken wirkt sich auf unsere Gefühle und körperlichen Empfindungen aus und schlägt sich in einer Körperhaltung nieder. Und umgekehrt, körperliche Bewegung oder eine bestimmte Körperhaltung wirkt sich auf unsere Stimmung aus. Haben Sie schon einmal einen depressiv verstimmten Menschen beobachtet? Häufig hängen die Schultern nach vorne, der Kopf und damit auch der Blick sind nach unten gerichtet. Dadurch ist die Atmung erschwert, was zu flacher Kurzatmigkeit führt. Auch ist der Gang von Depressiven häufig langsam, schlurfend und ohne Vitalität.

Als kleines Experiment, gehen oder sitzen Sie fünf Minuten in dieser beschriebenen Haltung und nehemn Sie wahr, was das mit Ihnen macht. Wenn Sie genug davon haben, probieren Sie doch mal folgende Übung aus:

Stehen oder sitzen Sie und richten Sie ihren Oberkörper dabei auf. Stellen Sie sich vor, wie eine Perlenkette von ihrem untersten Ende der Wirbelsäule bis zum Scheitel ihres Kopfes verläuft. Stellen Sie sich nun vor, wie diese Perlenschnur an ihrem Kopf sanft nach oben gezogen wird und sich ihr gesamter Rücken mit seinen Bandscheiben in eine aufrechte Haltung positioniert. Nehmen Sie war, wie sich diese Körperhaltung auf Sie auswirkt. Lassen Sie die Schultern entspannt nach unten sinken, lockern Sie das Kiefergelenk und entspannen Sie ihre Zunge, lassen Sie die Atmung frei fließen. Richten Sie ihren Kopf auf und lassen Sie ihren Blick geradeaus schweifen. Bemerken Sie den Unterschied? Häufig haben solche minimalen Veränderung auf der körperlichen Ebene eine große Wirkung auf unsere innere Haltung und Stimmung!

Erinnern Sie sich in den nächsten Tagen immer wieder an diese Körperhaltung und korrigieren Sie sie gegebenenfalls nach. Ergebnis: Ihr Gedächtnis baut neue Gedächtnisspuren auf und die alte, vielleicht vertrautere Problemphysiologie verblasst mehr und mehr. Die neue, selbstsicherere Haltung wirkt sich übrigens nicht nur positiv auf sie, sondern auch auf ihre Umwelt aus, Sie strahlen damit Selbstvertrauen und Stärke aus.

Ihre Tanja Madsen vom Coaching Berlin Blog.

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