Das Gefängnis in uns

Neulich erzählte mir ein Klientin, sie würde morgens eher darauf warten, dass ihr Mann ebenfalls erwacht, um dann mit ihm gemeinsam Kaffee zu trinken, als die Zeit für sich zu nutzen und ihrem eigentlichen Wunsch nachzugehen, alleine einen Spaziergang im nahe gelegenen Wald zu unternehmen. Auf meine Frage, was sie denn davon abhalten würde, ihrem tatsächlichen Wunsch nach zu gehen, antwortete sie, sie könne doch ihren Mann nicht alleine lassen. Ich erkundigte mich, ob er sich denn schon mal darüber beschwert habe, von seiner Frau zu viel alleine gelassen zu werden. Sie verneinte und ergänzte, dass er sich im Gegenzug überhaupt keinen Kopf darüber machen würde, seine Frau auch mal für längere Zeit alleine zu lassen.

Durch den Gedanken, „Ich kann meinen Mann nicht alleine lassen“, hatte sich diese Frau ihr eigenes, unsichtbares Gefängnis gebaut, denn der Morgenspaziergang war nicht das einzige, was sie deshalb fahren ließ, auch abendliche Impulse mal ins Kino oder Theater zu gehen, verfolgte sie ebenfalls nicht. Anstelle ihren eigenen Wünschen und Impulsen nachzugehen, hatte sie sich zurück genommen, um es ihrem Mann vermeintlich Recht zu machen.

Auf den ersten Blick meint man vielleicht, solche Arten von einschränkenden Gedanken wie „Ich kann meinen Mann nicht alleine lassen.“ führen nur zu Stress und einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Ja das stimmt sicher, aber paradoxerweise verbirgt sich hinter so einem Gedanken häufig auch ein positiver Zugewinn.

Ich frage deshalb im Coaching gerne die Frage, „Was bringt es ihnen, an diesem Gedanken festzuhalten?“. Häufige Antwort, „Rein gar nichts, der Gedanke ist lästig und bringt mir nur Leid“. Wirklich? Ich hake dann nach: Wenn es etwas Positives gäbe, was dieser Gedanke in ihr Leben bringt, was könnte das sein? In dem Fall mit der Klientin wurde der Mehrgewinn dann plötzlich deutlich. Der Gedanke, „Ich kann meinen Mann nicht alleine lassen.“, war manches Mal auch ein Vorwand gewesen, etwas nicht zu tun. Eine willkommene Ausrede, die kuschelige Komfortzone nicht zu verlassen.

Es lohnt sich, Annahmen und Glaubenssätze auf ihre Wahrheit zu prüfen und sich gleichzeitig zu fragen , „Was würde ich verlieren, wenn ich diesen Gedanken oder jenes Verhalten, dass ich eigentlich ablehne oder als lästig empfinde, nicht mehr haben würde?“.

Der Klientin wurde klar, dass der Gedanke erstens nicht wahr ist, sie kann ihren Mann durchaus alleine lassen, er überlebt es und verhungern tut er auch nicht, er beschwert sich noch nicht einmal darüber. Zweitens war der Gedanke manchmal ein Vorwand gewesen und die Frau erkannte, dass sie diejenige ist, die die Verantwortung für ihr Leben hat.

Übernehmen Sie schon die volle Verantwortung für Ihr Leben oder sind Sie noch dabei, Ausreden, zu erfinden, warum Sie jetzt noch nicht glücklich sein können?

provokative Grüße, Ihre Tanja Madsen vom Coaching Berlin Blog

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